Wie viel NEIN verträgt dein Kind?

Ich gehe hier in diesem Artikel auf zwei Formen des Neins ein.

 

Beim ersten Nein geht es mir um das Nein, was mir einfach zu viel über die Lippen kommt. Bei kleinen Kindern, die noch viel Erziehung brauchen, ist man eher geneigt, das Gleichgewicht zu verlieren.

Nein das darfst du nicht und nein das auch nicht…..

Als mein Sohn noch im Kindergarten war, wurde von der katholischen Kirche monatlich ein Erziehungsratgeber verschickt. Meine Freundin bekam dieses Heftchen regelmäßig und da auch in meinem Umfeld das Thema „Nein“-Sagen damals ein Thema war, kam uns dieses Heftchen genau zum richtigen Zeitpunkt in die Hände.

Der Tipp konnte auch wunderbar umgesetzt werden und zeigte uns Müttern oder Vätern, wie oft und unnütz uns diese schnelle „Nein“ über die Lippen kam.

 

Der Tipp lautete: Liebe Mama, lieber Papa, nehme dir einen kleinen Zettel und Stift und stecke ihn in deine Hosentasche. Mache nun einen Tag lang immer dann einen Strich auf deinen Zettel, wenn dir ein „Nein“ herausgerutscht ist. Ob es nun angebracht war oder nicht, ist hier nun ganz wertungsfrei zu behandeln.

Wir staunten nicht schlecht, als wir die große Zahl der Neins zählen mussten.

 

Warum war das so?

Klar hatten wir eine Erklärung

  • Entweder Beruf und Familie und damit Stress
  • Oder raus aus seinem geliebten Beruf und zu Hause überfordert
  • Keine Nerven
  • Überforderung als junge Familie
  • Alles bleibt an der Mutter hängen

 

Ach es gibt und gab sooooo viele Gründe, warum wir schneller mit dem Nein waren, als unserem Kind zu erklären, warum es das ein oder andere eben nicht tun dürfte.

Diese Übung hieß nicht, dass man nun mit dem Finger auf uns zeigte, weil wir so böse Mamas oder Papas seien, die nur stur mit einem aggressiven Nein ihren Willen durchsetzen wollen,

nein

wir sollten damit erkennen, dass wir in der Falle saßen

In der Falle, in der die Kinder nach Wegen suchten, um uns ein „Ja“ herauszulocken.  Und wie ihr bestimmt mitbekommt, haben Kinder nicht nur eine sehr große Fantasie, sondern sie kennen das Wort Peinlichkeit gar nicht. Sie sind lustgesteuert und suchen nach ihrem Vorteil.

Das ist normal.

Doch ist es auch normal, dass Kinder an der Kasse so laut brüllen, bis sie bekommen was sie wollen?

Brüllen, Heulen, Märchen erzählen…. Strategien gibt es da genug.

 

Und hier heißt es handeln- konsequent handeln- liebevoll handeln- diplomatisch handeln.

Wie habe ich das mit meinem Sohn gelöst?

Ganz einfach. Als er noch sehr klein war, haben wir vor dem Einkauf ausgemacht, dass er sich entweder ein Yoghurt oder ein Obst kaufen darf.

Ein Kind bekommt nur eines mit, dass alle Menschen, die in diesem Laden sind, einfach Ware in ihren Einkaufswagen legen, dann alles auf das Förderband legen, um es am Ende zu bezahlen. Wie soll es unterscheiden, dass man diese Dinge ja zum täglichen Leben braucht. Erkläre ich das im Vorfeld und gebe auch meinem Kind die Chance etwas in den Wagen und dann auf das Förderband zu legen, bleibt da Geschrei vor der Süßigkeitenreihe bestimmt aus.

 

Nun zu meinem zweiten „Nein“

 

So viele „Neins“ wir von uns lassen, wenn unsere Kinder klein sind, so viele „Neins“ würden wir uns wünschen, wenn sie älter werden. Denn das trauen wir Mütter uns teilweise nicht mehr wirklich zu.

Was steckt dahinter?

Warum sagen wir Ja, obwohl wir viel liebe unsere Ruhe hätten und nein sagen würden?

Ich kann nur von mir ausgehen, denn ich hatte fast mein ganzes Leben ein wirklich starkes Problem mit dem „Nein- Sagen“.

Kannst du mir mal dies machen?

Kannst du mir mal das einkaufen?

Kannst du mich mal schnell dahin fahren?

Kannst du mich von dort abholen?

Kannst du mit mir Vokabeln lernen (alleine kann ich mich so schlecht motivieren)?

usw.

So und dann möchtest du etwas von deinem Partner oder deinem Kind und bekommst ein ganz schnelles, ganz hartes, ein ganz bestimmtes „Nein“.

Dann stehst du da und verstehst die Welt nicht mehr.

 

Jetzt erzähle ich dir eine ganz spannende Metapher, die dir verdeutlicht, warum genau du das Nein-Sagen unbedingt lernen solltest.

Denn ein „Nein“ an der richtigen Stelle ist immer auch ein „Ja“ für euch beide.

Wenn ein Schmetterling das Licht der Welt erblickt, hat er es ziemlich scher. Mit all seinen Kräften muss er sich ein Loch in den Kokon bohren. Wissenschaftler wollten bei einem Versuch einem Schmetterling den Eintritt ins Leben erleichtern und vergrößerten ihm das Loch. So konnte der Schmetterling ohne Probleme schlüpfen.

doch von diesem Moment fingen die Probleme für den Rest seines Lebens an. Er konnte zwar ohne Kraftaufwand schlüpfen, doch er konnte nicht fliegen!

Was war der Grund?

Beim Schlüpfen, so wie es die Natur vorgesehen hat, muss der kleine Schmetterling durch den Kraftaufwand des Bohrens Muskeln entwickeln, die er zum Fliegen benötigt. Nimmt man ihm die Probleme beim Schlüpfen, nimmt man ihm gleichzeitig die Chance jemals das Fliegen zu lernen.  

 

Gerade wir Mütter neigen dazu, es unseren Kindern zu leicht zu machen.

Wie in dieser Metapher nehmen wir ihnen jedoch die Chance, sich wirklich zu entwickeln, sich wie ein Stein im Wasserbett rund zu schleifen.

Wenn du  dein Kind versuchst in Watte zu legen, sind die Kanten nicht sichtbar und du nimmst deinem Kind den Prozess des Wachsens, wie der Wissenschaftler dem Schmetterling die Muskelkraft für die Flügel genommen hat.

Wir haben einen Erziehungsauftrag und zu dem gehört ein gesundes Maß an „Neins“.

Je früher du es schaffst, dein Kind selbständig zu erziehen, indem auch du bewusst dir ein „Ja“ gibst, desto mehr Wertschätzung wirst du damit säen und auch ernten.

Noch ein Tipp zum Schluss , wenn es nicht so schnell geht mit diesem Nein und dadurch Ja zu sich selbst.

Sage zweimal JA und zweimal NEIN.

 

 

 

 

 

 

Christine Weidner

Als Lernstrategie-Coach, Konzentrationstrainer, Dipl. System Coach für ADS/ADHS nehme ich Familien an die Hand, um sie durch den Schulalltags-Dschungel zu begleiten.

Inspiriert durch Erfahrungen im Umgang mit meinen Schülern und Eltern habe ich angefangen Blogartikel zu schreiben. In der Hoffnung vielen Eltern durch meine Ideen zu inspirieren, lasse ich immer dann, wenn meine Herz schreiben will, einen Blogartikel entstehen.

Mein Wunsch ist es, dass ich viele Eltern unterstützen kann, mit ihren Erfahrungen rund um das Thema Schule und Erziehung ausgeglichener umgehen zu können.

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